Eine leere Angebotsseite kann den Einstieg unnötig erschweren. Ein Modell aufzufordern, „ein überzeugendes Angebot für ein Branding-Projekt zu schreiben und einen Paketpreis vorzuschlagen“, wirkt effizient. Genau so gelangen aber auch erfundene Honorare und allzu selbstsichere Zeitpläne in ein Dokument, das versandfertig aussieht. Die Kundin oder der Kunde versteht Ihr PDF als Ihr Angebot. Das Modell sitzt nicht mit am Tisch, wenn sich der Leistungsumfang später erweitert.
Dieser Ablauf richtet sich an Freiberufliche und Soloselbstständige. Er sagt Ihnen nicht, welches Honorar Sie verlangen sollten. Wie Sie Preise recherchieren, ohne sie sich vorgeben zu lassen, zeigt Preisrecherche statt Preisdiktat.
Geschäftsszenario
Illustratives Szenario, kein gemessener Fall: Eine selbstständige Marketingberaterin benötigt bis Freitag ein Angebot. Sie fügt das lange Transkript des Erstgesprächs in einen Chatdienst für Endnutzer ein und bittet um ein vollständiges Angebot mit drei Preisstufen. Der Entwurf liefert elegant formulierte Pakete und runde Honorarbeträge. Zwei Leistungen wurden im Gespräch nie erwähnt. Eines der Honorare liegt unter ihrer Untergrenze. Selbst wenn sie den Entwurf „nur leicht bearbeitet“ versendet, gibt sie damit Zusagen ab, die sie nicht selbst getroffen hat.
Notizen aus einem Erstgespräch enthalten oft Namen Dritter, Budgets und strategische Informationen. Schwärzen Sie solche Angaben oder fassen Sie die Notizen zusammen, bevor Sie Inhalte einfügen. Ist das Transkript vertraulich, fügen Sie es nicht ein. Erstellen Sie zunächst aus dem Gedächtnis eine Zusammenfassung in eigenen Worten. Beachten Sie auch die Regel, keine Kundengeheimnisse in KI-Systeme einzufügen.
Werkzeug und Ablauf richtig abgrenzen
Nutzen Sie KI für:
- Gliederungen und Überschriften
- Verständlichere Formulierungen für Texte, die Sie selbst geschrieben haben
- Alternative Formulierungen für eine bereits festgelegte Leistungsgrenze
- Checklisten mit Fragen, die Sie der Kundin oder dem Kunden noch stellen müssen
Nutzen Sie KI nicht für:
- Festlegung Ihres Honorars oder Ihrer Rabatte
- Das Erfinden von Meilensteinen, die Sie nicht mit Ihren Kapazitäten abgeglichen haben
- Rechtliche Schlussfolgerungen zu Vertragsbedingungen
- Aussagen über garantierte Ergebnisse
Auch wenn ein Angebot zugleich als Verkaufstext dient, dürfen Werbeaussagen nicht irreführen (FTC-Hinweise zu Werbung und Marketing; Maßnahmen der FTC gegen irreführende KI-Aussagen und Geschäftsmodelle).
Schrittweise zum Angebotsentwurf
Schritt 1: Schreiben Sie das inhaltliche Gerüst zuerst selbst
Bevor Sie ein Modell öffnen, halten Sie folgende Punkte selbst fest:
- Gewünschtes Ergebnis in den Worten der Kundin oder des Kunden
- Leistungen, die Sie in den Umfang aufnehmen und verantworten wollen
- Ausdrücklich ausgeschlossene Leistungen
- Annahmen, etwa zu Zugängen, Reaktionszeiten bei Feedback und Markenmaterialien
- Ihr Honorar oder Ihre Honorarspanne, von Ihnen selbst festgelegt
- Einen Zeitplan, den Sie tatsächlich mit Ihrem Kalender abgeglichen haben
- Regeln für Abnahme und Korrekturschleifen
Fehlt eine Angabe, besteht eine Lücke in der Auftragsklärung, nicht im Prompt.
Schritt 2: Fordern Sie nur eine Gliederung an
Formulieren Sie aus den folgenden Notizen eine klare Angebotsgliederung mit
Abschnittsüberschriften und kurzen Stichpunkten. Erfinden Sie keine Leistungen,
Honorare, Termine, Garantien oder Ergebnisse aus Fallstudien, die nicht in
meinen Notizen stehen. Fehlt etwas für ein vollständiges Angebot, führen Sie es
unter „Fragen an mich“ auf, statt die Lücke selbst zu füllen.
Notizen:
[paste only your spine - no confidential annexes]
Schritt 3: Tragen Sie die tatsächlichen kaufmännischen Eckdaten selbst ein
Übernehmen Sie Honorar, Termine und Grenzen für Korrekturschleifen von Hand aus Ihrem Gerüst in den Entwurf. Bitten Sie das Modell nicht, in demselben Dokument, das Sie versenden wollen, „marktübliche Preise vorzuschlagen“.
Schritt 4: Prüfen Sie auf Beschönigungen und Erfindungen
Lesen Sie den Entwurf einmal ausschließlich unter folgenden Gesichtspunkten:
| Achten Sie auf | Maßnahme |
|---|---|
| Leistungen, die Sie nicht aufgeführt haben | Löschen oder in eine optionale Auftragsklärung verschieben |
| Honorare oder Rabatte, die Sie nicht festgelegt haben | Durch Ihre eigenen Zahlen ersetzen |
| „Garantierte“ Ergebnisse | Als Prozess oder konkrete Leistung formulieren |
| Zeitpuffer, die Ihren Kalender außer Acht lassen | Selbst neu berechnen |
| Projektergebnisse, die wie Belege wirken | Entfernen, sofern Sie keine zur Verwendung freigegebenen Nachweise haben (Nachweise aus Portfoliofällen statt Übertreibung) |
Versenden Sie niemals ein Angebot, dessen Preise oder Lieferzusagen auf Modellvorschläge zurückgehen, die Sie nicht eigenständig geprüft und übernommen haben. Wenn Sie eine Zahl oder ein Datum nicht erklären können, ohne auf den Chat zu verweisen, ist das Angebot nicht fertig.
Schritt 5: Lassen Sie einen Menschen prüfen
Lassen Sie eine Nacht verstreichen oder bitten Sie eine vertrauenswürdige Kollegin oder einen vertrauenswürdigen Kollegen, die Leistungsgrenzen zu prüfen. Dabei geht es nicht darum, Ihren Preis festzulegen, sondern eine mögliche Überverpflichtung zu erkennen. Soloselbstständige können bewährte Formen kollegialer Prüfung aus Netzwerken für Freiberufliche übernehmen, ohne eine Chatantwort als Beratung zu behandeln (Ressourcen der Freelancers Union). Wenn es um Vertragsformulierungen geht, verwenden Sie Prompts, die Rückfragen erzeugen, statt Rechtsauskünfte vorzutäuschen. Orientieren Sie sich dabei an Grundkenntnissen zu Verträgen und Rechnungen sowie an Leitfragen zur Vertragskompetenz für Verbraucher.
Speichern Sie in Ihrer Notiz-App eine Vorlage für das Angebotsgerüst mit leeren Feldern für Honorar und Termine. Füllen Sie diese Felder immer aus, bevor KI den Text formatiert. Die Reihenfolge ist die Schutzvorkehrung.
Validierung und Fallback
Validierung: Jede geschäftliche Zahl und jedes Datum im PDF muss bereits in Ihrem vor dem KI-Einsatz erstellten Gerüst stehen.
Fallback: Wenn das Modell Pakete erfindet, verwerfen Sie den Entwurf und formatieren Sie das Gerüst von Hand. Der Zeitgewinn rechtfertigt kein schlechtes Versprechen.
Angebote an Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU sollten keine irreführenden Auslassungen dazu enthalten, welche Leistungen eingeschlossen sind (Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken).
Beispiel: Angebotsgerüst und unzulässige KI-Ergänzungen
Illustrative Eingabe (nur das Gerüst): Ergebnis: E-Mail-Sequenz zur Einführung eines Angebots für eine bestehende Interessentenliste. Leistungsumfang: 5 E-Mails, 1 Korrekturschleife, Reintext und eine Vorlage im Markendesign. Nicht im Leistungsumfang: Bereinigung der Liste, bezahlte Anzeigen, neues Markensystem. Honorar: [your number]. Zeitplan: 10 Werktage nach Erhalt der Materialien. Abnahme: schriftliche Freigabe für E-Mail 1 vor dem Entwurf der E-Mails 2-5.
Unzulässige KI-Ergänzung: Fügt ein „A/B-Testprogramm“, eine „garantierte Steigerung der Öffnungsrate“ und eine von Ihnen nie festgelegte Rabattstufe hinzu.
Vertretbare KI-Unterstützung: Formatiert das Gerüst als Überschriften und Stichpunkte, ohne neue geschäftliche Bedingungen hinzuzufügen.
Schließen Sie den Ablauf mit einer Kontrolle des Leistungsumfangs ab
Nach Annahme des Angebots gehören Änderungen in ein Änderungsprotokoll zum Leistungsumfang, nicht in eine freundlich umformulierte Chatnachricht. Die Prüfkarte zur Verantwortung für den Angebotsentwurf dient als Checkliste für die Entwurfsphase.



